Geografie und Befestigung

Der Glauberg am Ostrand der Wetterau

Text: Dr. F.-R. Herrmann

Der langgestreckte Höhenrücken des Glaubergs ist ein letzter Basaltausläufer des Vogelsberges. Mit 271 m NN erhebt er sich zwischen dem Zusammenfluß von Nidder und Seemenbach um 150 m über die umgebenden Flußauen. Im Südwesten vorgelagert ist ihm das kegelförmige Enzheimer Köpfchen mit 223,2 m NN. Kräftig ist der Abfall der Höhe nach Nordwesten ins Niddertal, während sich im Süden vom Bergfuß eine gegliederte, lößbedeckte Hochfläche zum 2 km entfernten Seemenbach hinzieht.

Die natürlichen Gegebenheiten für eine Besiedlung und Befestigung des Glaubergs sind hervorragend. Seine Höhe bildet ein fast ebenes Plateau von über 800 m Länge und 80 m bis knapp 200 m Breite, das im Osten weniger steile Hänge besitzt, auf den anderen Seiten um 30-40 m steil zum Sockel abfällt. Im Westen liegt in einer natürlichen Mulde ein kleiner Weiher, der nicht von einer Quelle gespeist wird, sondern in dem das Oberflächenwasser des Berges zusammenläuft; bis zu Sprengarbeiten nach dem letzten Krieg enthielt er auch in trockenen Sommern immer Wasser.

Wegen seiner zugleich schützenden und beherrschenden Lage wurde der Berg von der Jüngeren Steinzeit im 5. Jahrtausend v.Chr. bis in das Hochmittelalter im 13. Jahrhundert immer wieder als zentraler Punkt für ein weites Umland aufgesucht. Dies wird heute noch deutlich beim Blick von seiner Westseite in die Untermainebene mit den Hochhäusern von Frankfurt am Main und über die gesamte Wetterau zum Hochtaunus mit Altkönig und Feldberg bis zum Hausberg bei Butzbach, oder nach Norden hin bis zum Stoppelberg bei Wetzlar und dem Dünsberg bei Gießen.

Die Befestigungen nehmen den gesamten Westteil des Plateaus mit 650 m Länge und fast 8 ha Fläche ein. Eine Abschnittsmauer von 180 m Länge ist an der Stelle quer über die Bergfläche gelegt, an der das Plateau zum einen seinen höchsten Punkt erreicht, zum andern die Bergflanken steiler werden. Anschließende Randmauern, deren Baumaterial einem ausgeprägten Materialgraben hinter ihnen entnommen ist, sind auf die Bergkanten gesetzt. Eine Vorbefestigung, ein flacher Wall mit vorliegendem Graben, findet sich 130 m vor der Abschnittsmauer. Im Norden ziehen Annexwälle steil hinab bis zum Quellhorizont und umschließen in ihrer Nordecke ein riesiges Wasserreservoir von etwa 150 m Länge und 50 m Breite; während der östliche Wall am Plateau in Höhe der Abschnittsmauer ansetzt, führt der wesentliche, wahrscheinlich einmal neugebaute und vorgelegte Wallzug nur bis zum Bergfuß und schloß offenbar nie an die Plateaubefestigung an. Mit den Annex von knapp 12 ha beträgt die umschlossene Fläche insgesamt 19,7 ha.

Vier Tore in die Bergbefestigung und eines in den Annexbereich haben kaum durch alle Zeiten bestanden. Haupttor war immer die Stockheimer Pforte im Nordosten, die ebenso wie die Düdelsheimer Pforte an der Südseite ein sogenanntes Tangentialtor war. Die Enzheimer Pforte im Südwesten mit ihrem gemörtelten Torturm ist vielleicht erst im frühen Mittelalter angelegt worden. Der einfache Durchlaß der Glauberger Pforte nahe der Nordwestrundung ist in seiner Zeitstellung unsicher, vermutlich mittelalterlich.

Text: Dr. F.-R. Herrmann, Landesamt für Denkmalpflege Hessen.

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